Berg der heiligen Zwietracht

Felsendom und Klage­mauer — Wem gehört Jerusalem ?

AUTOR SCHALTET DEN PC EINPC FÄHRT HOCH

Denn siehe: Es ste­ht geschrieben … 

KEYBOARD- UND MAUS

… im World Wide Web. Im neuen Buch der Büch­er. Such­wort: „Jerusalem, Tem­pel­berg“ …

COMPUTERSTIMME: „WILLKOMMEN !“ / KEYBOARD- UND MAUS-GERÄUSCHE 

… www.thewall.org … Alle 60 Sekun­den ein Foto. Fast live. Ich kann das Foto ver­größern — die Mauer, die Men­schlein — klick ! … Noch ein Mausklick: Real Audio — der Ton zum Bild — 15, 1 Kilo­byte pro Sekunde. 

STIMME AUS DEM COMPUTER, SUGGESTIV: „The West­ern Wall ten feet in front of us … Nur drei Meter ent­fer­nt … The area fills one with awe … Der Ort erfüllt uns mit Ehrfurcht … They just tell us, that the schi­na, the divine pres­ence, nev­er left the West­ern Wall Man sagt, das Göt­tliche hat diesen Ort nie ver­lassen …You can almost feel it here in front of us, around us, sur­round­ing us ! Es ist über­all !

WÄHREND DER LETZTEN SÄTZE HAT SICH DAS SOUNDFILE AUS DEM COMPUTER (MONO) IN DIE REALE SZENE VOR DER KLAGEMAUER (STEREO) VERWANDELT: BAR MITZVAHEIN KLANGGEWIRR AUS VIELEN STIMMEN, GEBETEN, GESÄNGEN

In den Mauerspal­ten nis­ten Schwal­ben, flitzen kleine Eidech­sen. Der Kotel ist die Stütz­mauer des Tem­pel­bergs — nicht die Wand des Tem­pels, wo Rab­bi Jesus gelehrt hat. Dreißig Jahre nach dessen Tod trieben die Zeloten, eine ultra­ortho­doxe mil­i­tante Gruppe, Israel in einen aus­sicht­slosen Krieg. Die Römer unter Titus Flav­ius ver­nichteten die Stadt. Und den Tem­pel.

DIE BAR-MITZVAH-FEIER

Viel los heute mor­gen ! Zweimal die Woche Bar Mitz­vah. Das Fest der Knaben. Mit 13 dür­fen sie zum ersten Mal aus der Tho­ra lesen. Mann unter Män­nern. Ein­er von zehn, laut Gesetz. 

Da kom­men sie gerit­ten, im Tri­umphzug auf den Schul­tern ihrer Väter, Onkel, Brüder. In kleinen flat­tern­den Gebetsmän­teln, die Tef­fil­in um Arm und Stirn geschnürt. 

Junge und ganz alte Män­ner sin­gen, tanzen, klatschen vor Begeis­terung, verzückt — wie David vor der Bun­deslade, damals. Wiegen gold­verzierte Schriftrollen im Arm.

STIMME AUS DEM COMPUTER (REAL AUDIO) UND REALE TUNNEL-TOUR: We will now walk inside from the West­ern Wall plaza. We’re enter­ing the entry way to the tun­nels. O.k. … Jet­zt geht’s in den Tun­nel ! … The light­ing is quite dra­mat­ic now … Drama­tis­ches Licht ! … The secret pas­sage …

Aus­graben … Sich in die Ver­gan­gen­heit hinein­wühlen … Eine kollek­tive Lei­den­schaft in dieser Stadt. Man sucht Beweise, gräbt nach stein­er­nen Besitzurkun­den — hier die Juden, dort hin­ten irgend­wo die Moslems.

Zwei Nach­barn stre­it­en um das selbe Grund­stück. Die Immo­bilie ist nicht groß — ein Hügelchen — zer­nagt, durch­löchert, ange­bohrt von allen Seit­en. Fuchs­bau, Schweiz­er Käse. Hätte auf drei Fußballfeldern Platz.

Stimme(DEUTSCH) Das ist ein Gefühl … Man kann das … Wir treten auf die Steine und auf die Straßen, die unsere Eltern und Großel­tern in den let­zten 3000 Jahren getreten haben. Und hier in diesem Ort hat der Tem­pel ges­tanden … und König David und König Salomon … Und eine zweite Sache ist ein ganz ein­fach­es Gefühl, dass wir sind jet­zt zu Hause. Das ist der Ort für jeden Men­schen. Jerusalem war, ist und immer wird sein die Haupt­stadt von den Juden. Und jed­er Jud hat eine beson­dere Ver­bun­den­heit mit Jerusalem. Dort ist jed­er Men­sch, jed­er Jud zu Hause !

FREMDENFÜHRER It’s mov­ing … It’s a mir­a­cle that we are back here — after all these years ! Here we are ! Ein Wun­der, wieder hier zu sein — nach all den Jahren ! 

Und da oben, ein paar Meter über uns: das Moslem-Vier­tel … Men­schen, Kar­ren, Teestuben, Bazar. Und der Felsendom mit sein­er Gold­kup­pel. Und die Al-Aqsa Moschee, nach Mek­ka und Med­i­na der heilig­ste Ort des Islam. 

BAZAR / GEBETSRUF / FERNSEH-ÜBERTRAGUNG DES FREITAGS-GEBETS 

Hier schallt die Fre­itagspredigt aus den Fernse­hern: „Lasst die Flagge wehen ! Das Land wird frei sein ! Und der Ruf ‘Allah ist größer !’ wird am Him­mel Palästi­nas und in jed­er Straße unseres heili­gen Jerusalem ertö­nen. Denn Jerusalem, die Haupt­stadt, gehört uns … !“

Fünf­mal täglich der Gebet­sruf — „Es gibt keinen Gott außer Gott …“ — Und er mis­cht sich mit den Psalmen und Gesän­gen an der Klage­mauer. Und mit der Litanei der Fre­itagsprozes­sion, die durch die Via Dolorosa zieht zur Grabeskirche, wo man lebens­große Kreuze mieten und wie Jesus durch die Alt­stadt wanken kann — „Rent a cross“.

Franziskan­erThe Thir­teenth Sta­tion. Here Jesus is tak­en down from the cross (…)

EINE GLOCKE / GESANG DER PILGER, ENTFERNT SICH 
Die Bibel hat recht !
Der Koran hat recht !
Der Tal­mud …

Amen ! 
Und Amen !
Und Amen !

Uri Avneri, Jour­nal­ist und Frieden­skämpfer, sagt:

Avn­ery Frieden hat hier nie geherrscht, nicht einen einzi­gen Tag. Jeden­falls nicht in den let­zten 60 Jahren, in denen ich hier lebe. Nicht einen einzi­gen Tag Frieden ! Friede war hier nie — es war immer Kriegszu­s­tand zwis­chen — es ist keine Sache von ein paar Extrem­is­ten. Es ist die Sache der bei­den Völk­er — zwei großer nationaler Bewe­gun­gen. Im Grunde haben Sie hier ein kleines Land, das bei­de der Völk­er als ihr exk­lu­sives Vater­land betra­cht­en. Bei­de Völk­er bestre­it­en nicht nur die Rechte des anderen Volkes auf das Land son­dern prak­tisch sog­ar die Exis­tenz des anderen Volkes seit Gen­er­a­tio­nen. Bei­de Seit­en haben ihren Schädel voll von Mythen, Sagen, Äng­sten, Trau­mas, Vorurteilen — Stereo­typen, die mit der Wirk­lichkeit über­haupt nichts zu tun haben. Und das zu beseit­i­gen, ist eine his­torische Auf­gabe und nicht so leicht.

Ehren­bergKein Zweifel, dass die Juden waren dort zuerst ! Der Berlin­er Rab­bi Yitzhak Ehren­berg … Wir fan­gen an mit unserem Stam­m­vater Abra­ham. Das ist etwa so 3800 Jahre zurück — bevor der Islam über­haupt auf der Welt gewe­sen. Und auch als die Juden später, 3000 Jahre zurück, nach Israel gekom­men und später in Jerusalem den Tem­pel gebaut haben — das ist doch klar, daß das war ein jüdis­ch­er Tem­pel und kein mus­lim­is­ch­er Tem­pel. Das ist ein jüdis­ches Patent, eine jüdis­che Erfind­ung ! Das ist doch nicht zu disku­tieren ! 

Und Mustafa Abu Sway, der Philoso­phie-Pro­fes­sor aus Ost-Jerusalem, sagt:

Abu Sway­His­to­ry tells us that you might loose what you have … Die Geschichte sagt uns: Man kann alles schnell wieder loswer­den, was man hat … I real­ly don’t care how you call the polit­i­cal sys­tem. I’m not a big fan of names. I real­ly care less, whether it is a Moslem or a Jew or a Chris­t­ian who’s giv­ing orders … Mir ist es gle­ich, ob ein Moslem, ein Jude oder ein Christ regiert, sagt Pro­fes­sor Abu Sway. Aber ich möchte als Men­sch behan­delt wer­den — ob in Israel oder Palästi­na ! 

Und ein Tep­pich­händler in der Alt­stadt:

Händler It’s only con­flict between offi­cial parts from Chris­tians, Jews and Moslems, because of their own busi­ness and inter­ests, which is lead­ing the poor peo­ple into desasters … Egal ob Chris­ten, Juden oder Moslems — Es sind immer die da oben, die uns arme Leute ins Unglück stürzen ! 

TASTATUR / MAUS 

Ein Online-Sem­i­nar aus Brook­lyn. Gen­e­sis — Kapi­tel 1, Vers 1. — 15, 1 Kilo­byte, Real Audio:

STIMME DES RABBI … The day will come, when the Jews will be going to enter the land of Israel, and they will claim the land from the Cananites liv­ing here … Und die Juden nah­men den Kanaan­itern das Land weg … And they will say: Why are you tak­ing our land ? Like the Arabs say: Why are you tak­ing our land ? … Und so fra­gen heute auch die Araber: Warum nehmt ihr uns das Land ? … And the answer we say — which is the only answer that Ben Guri­on could say to the Arabs who claimed: Why are you tak­ing our land ?: “The Bible ! The Bible is the word of God !“… Schon Ben Guri­on hat­te nur eine Antwort: Die Bibel ! Das Wort Gottes ! … God cre­at­ed it ! And he took it from heav­en and he gave it as the promised land to us, the Jew­ish peo­ple ! … Gott gab uns das gelobte Land — uns, den Juden !

STIMME DES FREMDENFÜHRERS IM TUNNEL We are right now stand­ing direct­ly across from where the Holy of Holyest was in the tem­ple … Hier war das Aller­heilig­ste … The holyest place on earth for the Jew­ish peo­ple. For mankind … 
Der heilig­ste Ort für die Juden, für die Men­schheit … This is as close that we can come … Hier sind wir ihm am näch­sten … Just take time … few moments … if you have a prayer … if you have any­thing to ask … if you want to speak to the Cre­ator. This is the place to do it ! … Wenn Sie mit Ihrem Schöpfer sprechen möcht­en — dann jet­zt ! 

(…)

EIN KNABE LIEST AUS DER THORA. DIE LEIDENSCHAFTLICHE ANSPRACHE EINES RABBI:

Senores e seno­ras — por favor ! Please lis­ten to me ! Today is the biggest day of Mau­rice Sas­son ! El com­p­lo trece annos e un dia …”

Mau­rice Sas­son aus Mexiko ist heute 13 und einen Tag. Kein Kind mehr — sagt der Onkel aus Ameri­ka.

De hoy Mau­rice Sas­son no mas a child — no more baby ! Mau­rice Sas­son is a man ! (…) Keep on going on the same line … !”

TÖNE EINER SCHOFAR.

Ein­er bläst das Wid­der­horn, die Scho­far. Und jet­zt alle vor die Video-Kam­era !

MUSIKANTEN. RHYTHMISCHES KLATSCHEN.

Was am Mor­gen des 7. Juni 1967 an dieser Stelle geschah, nen­nen die einen „Befreiung“, die anderen aber „Nakhbah“, die Katas­tro­phe. Israel hat­te die Jor­danier ver­trieben. Der Sech­stagekrieg, von ara­bis­chen Nach­barn begonnen, war so gut wie zu Ende. Oliv­grüne Sol­dat­en beteten und wein­ten da vorn an der Mauer. „Unsere Fallschir­mjäger standen vor der Mauer wie ins Trance“, erin­nerte sich später Gen­er­al Uzi Sarkiss. 

Immer mehr Israelis drängten in den näch­sten Stun­den Rich­tung Tem­pel­berg. Hier, vor der Mauer, im Magre­bi-Vier­tel, wo die Nordafrikan­er wohn­ten, war nur eine schmale, stink­ende Gasse, fünf Meter bre­it. Tage später gab es das Vier­tel nicht mehr. Über Nacht hat­ten Bull­doz­er die 136 Häuser eingeeb­net. 600 Fam­i­lien waren obdach­los. Nach eini­gen Monat­en ver­schwand auch die Abu-Saud-Straße, in der Jas­sir Arafat als Kind gespielt hat­te. 

KEYBOARD / COMPUTERGERÄUSCH

Denn siehe, es ste­ht geschrieben …

Jew­ish fun­da­men­tal­ists plan to demoslish the noble Al-Aqsa Mosque and build their Jew­ish tem­ple in its place. More than thou­sand peo­ple will attend an annu­al meet­ing of the ‘Builders of the Third Tem­ple’ … Vor jüdis­chen Fun­da­men­tal­is­ten warnt diese Home­page in den Far­ben Palästi­nas. Zum Jahre­str­e­f­fen der ‘Erbauer des Drit­ten Tem­pels’, der den Platz der Al-Aqsa Moschee ein­nehmen soll, haben sich über 1000 Radikale angemeldet … 

Ger­shon Salomon
(LIEST JESAJA, KAPITEL 2, VERSE 2 UND 4 — HEBRÄISCH)

Das ist Ger­shon Salomon, Grün­der und Führer der „Getreuen des Tem­pel­bergs“, früher Offizier. In einem Gren­zge­fecht mit Syrien, 1958, über­rollte ihn ein Panz­er und er ver­lor ein Bein. Der größte Augen­blick in seinem Leben, sagt er, war die Befreiung Jerusalems. Auf Krück­en stand er vor der Klage­mauer. Seit damals ken­nt er nur ein Ziel: den Bau des Drit­ten Tem­pels. Es gibt auch schon reich­lich Tem­pel­gerät.

Salomon­Now here I want to show you the incense (ÖFFNET EINEN SCHRANK) … In the Bible God is speak­ing about eleven kinds of incense… Elf Sorten Weihrauch, streng nach bib­lis­chen Rezepten … It smells very good … This is for instance the cin­na­mon … Zimt ! … You can smell it (AUTOR SCHNÜFFELT) …

Salomons Haup­tquarti­er ! Eine skur­rile, etwas ärm­liche und enge Welt in einem Hin­ter­haus der Neustadt, gle­ich neben der belebten Jaf­fa Road. Auf durchge­bo-genen Regalen stapel­weise Flug­blät­ter, Plakate, Autoaufk­le­ber: „DER TEMPEL-BERG MUSS BEFREIT WERDEN !“ 

Er selb­st: ent­waffnend san­ft für einen Aufrührer, der immer wieder so beängsti­gende Schlagzeilen macht. Ein fröh­lich­er Schnur­rbart. Und die fre­undlich­sten Kinder­au­gen der Welt. Sie leucht­en, wenn er ins Erzählen kommt — beson­ders von den let­zten Din­gen.

Salomon God, when he speaks about the end times, he’s speak­ing about a war which the Prophet calls it Gog-and-Magog-war … Gott spricht vom apoka­lyp-tis­chen Krieg gegen Gog und Magog — das Böse schlechthin … We are liv­ing now in time of redemp­tion of the Jew­ish — the Israeli nation. The prophets call it the end times. The last days … Die jüdis­che Nation wird wieder­aufer­ste­hen … I believe, when you will come for your next vis­it in Israel, this you will see on the Tem­ple Mount and in Jerusalem ! (LACHT

Wenn Sie näch­stes Mal nach Jerusalem kom­men, sagt Herr Salomon heit­er und zeigt auf eine Com­put­er­mon­tage, die den neuen Tem­pel an Stelle der Al-Aqsa Moschee zeigt — dann wer­den Sie das hier sehen ! 

Macht er Scherze ? 

Very real, very prag­mat­ic ! … Von wegen. Das ist alles blutig ernst gemeint … The Arab occu­pa­tion of this land, the land of Israel … Jerusalem … and the Tem­ple Mount espe­cial­ly should be fin­ished ! Höch­ste Zeit, dass wir die ara­bis­che Beset­zung ein für alle mal been­den ! The Arabs are here for­eign­ers … 

Das sind Fremde hier … They robbed this place from the Israeli nation … Sie haben diesen Ort ger­aubt. Machen wir uns doch nichts vor, sagt Ger­shon Salomon, und seine blauen Kinder­au­gen leucht­en: Der Krieg ste­ht vor der Tür … 

Magen BroshiThe trag­ic thing about Solomon and his fel­lows is, that the man does not believe in God … Das Tragis­che an Salomon, meint Magen Broshi, der frühere Kura­tor der Qum­ran-Rollen im Israel-Muse­um: Dieser Mann glaubt nicht an Gott … It’s all neat nation­al­ism … Alles blanker Nation­al­is­mus ! 
Ben DovThose are no Jews ! … Das sind gar keine richti­gen Juden, sagt der Schrift­steller und Archäologe Ben Dov … They want some­thing to feel, to touch, to see …Die brauchen immer was zum Fühlen, zum Anfassen, zum Sehen … 
Magen Broshi­We live still in a mad­house … I don’t have to tell you how dan­ger­ous things like this (are), when you are min­gling pol­i­tics and reli­gion and nation­al­ism … Muß ich Ihnen sagen, wie gefährlich es ist, Poli­tik und Reli­gion zu ver­men­gen ? … This is real dyna­mite ! … Das rein­ste Dyna­mit ! … One man can set fire … Es reicht, wenn ein­er mit dem Feuer spielt !

KEYBOARD / COMPUTERGERÄUSCHE

Und siehe, es ste­ht geschrieben … Ger­shon Salomon schickt eine Blitzmel­dung::
„Ter­ri­ble Destruc­tion on the Tem­ple Mount … Schreck­liche Zer­störung auf dem Tem­pel­berg … Arabs have dug 10 meters — 33 feet — deep over a large area next to the so called Solomon’s Sta­bles …Für einen weit­eren Ein­gang zur neuen Moschee in den soge­nan­nten ‘Ställen Salomons’, der größten Moschee des Mit­tleren Ostens, haben Araber den Tem­pel­berg 10 Meter tief auf ein­er großen Fläche abge­tra­gen … 

Ein erneuter Ver­such, jüdis­che Iden­tität und 2000 Jahre alte Spuren auszulöschen … Heute abend demon­stri­eren wir gegen diese Bar­barei …Wenn ich Dein vergesse, oh Jerusalem, ver­dorre meine rechte Hand !“ 

UNTER DEN LETZTEN SÄTZEN: KIDRON-VALLEY-DEMO EINBLENDEN

Und da marschieren sie durch Ost-Jerusalem — die radikalen „Frauen in Grün“, mar­tialis­che Grup­pen wie „Hüter der Stadt“ und „Zhot arzenu“ („Das ist unser Land“) und „Jer­uscha­lay­im Schelanu“ („Jerusalem gehört uns“). Und die Stu­den­ten aus der Jeshi­wa „Ateret Cohan­im“, „Kro­ne der Priester“ — eine Art Train­ings-Camp für den Dienst im Drit­ten Tem­pel. Und natür­lich die „Getreuen des Tem­pel­bergs“. Fack­eln und Fah­nen. Sie nen­nen es „Alya“ wie die ersten Zion­is­ten — „Land­nahme“, „Besiedelung“. 

Ein Stoßtrupp, vorder­ste Lin­ie. Hier im palästi­nen­sisch besiedel­ten Kidron-Tal wohnt der Feind. Aufreizen­des Front­ge­fühl. Junge kräftige Män­ner mit Brook­lyn-Akzent tra­gen Cow­boy-Stiefel und Gebet­sriemen. Eine Frau hält das Com­put­er-Bild des Drit­ten Tem­pels wie eine Ikone. Die Teenag­er des Stadt­teils drän­gen sich in Grup­pen hin­ter Sper­rket­ten aus gle­ichal­tri­gen israelis­chen Sol­dat­en. Coole Sprüche fliegen hin und her. Sig­nal­later­nen blinken Nachricht­en von einem Hang des Tals zum andern.

BETENDE MÄNNER, STIMMENGEWIRR, GERÖLL

Hin­ter einem Git­ter gegen Stein­würfe geschützt, drehen Aktivis­ten jeden Brock­en voller Andacht hin und her.

BEGEISTERTER APPLAUS / LAUTSPRECHER-STIMME (NADIA MATAR, HEBRÄISCH)

Das ist Nadia Matar, die Jean d’Arc der Siedler­be­we­gung …“Tausende sind hergekom­men, das beweist unsere Schlagkraft“, schre­it sie in das Mikrophon. Sie ver­flucht Moshe Dajan, der die Fahne Israels vom Tem­pel­berg ent­fer­nt hat. Sie zer­reist „die schändliche Vere­in­barung von Oslo“. Schießt auf den Pre­mier. Giftet gegen all die Weich­linge in der Regierung, die der Welt die Stiefel leck­en. „Schluss damit ! Der Tem­pel­berg muss wieder unser sein !“

… Dieser strahlende Berg da drüben — durch die nächtliche Effekt-Beleuch­tung wie das Märchen­schloss in einem Dis­ney-Film. Ein magis­ch­er Ort. Und immer ein Ort der Gewalt. Wie 1970: Salomons „Getreue“ provozierten eine Keil­erei mit duzen­den Ver­let­zten. Oder 20 Jahre später — an jen­em 8. Okto­ber 1990. 

Ein Mon­tag. Erster Tag des Laub­hüt­ten­festes Sukkot — das jüdis­che Erntedank­fest. Heute sei der Tag der Grund­stein­le­gung für den Drit­ten Tem­pel, oben auf der Plat­tform, hat Ger­shon Salomon auf Flug­blät­tern ver­bre­it­et. Der Ver­such war mehrfach fehlgeschla­gen. Dies­mal aber han­dle man mit Zus­tim­mung des Ober­sten Gerichts.

M. Z. (ARABISCH)

Dieser frühere Lehrer aus einem Dorf am Stad­trand Jerusalems, der nicht genan­nt wer­den will, erin­nert sich noch an die Worte des örtlichen Sheikh: „Wir müssen die Moschee beschützen !“ … Wir wussten, dass etwas geplant war, sagt er. Und viele macht­en sich auf den Weg — auch meine Schwest­er, Mut­ter von neun Kindern, und ihr 20jähriger Sohn.

3000 Moslems gelan­gen trotz strenger Kon­trollen auf den Haram. 18 Meter tiefer, vor der Klage­mauer, beten 20 000 Juden. 

Nach ara­bis­ch­er Darstel­lung bewegt sich ein Stoßtrupp der „Getreuen des Tem­pel­bergs“ direkt auf das Tor des Haram zu, schein­bar unbe­hin­dert durch die Polizei.

M. Z. (ARABISCH)

Die ortho­dox­en Juden kamen durch das Tor von West­en, sagt der alte Mann. Sie drängten Rich­tung Moschee. Die Moslems fin­gen an, zu beten: „Alah u akbar ! Gott ist größer — größer als alles !“ Eine verir­rte Trä­nen­gas­granate explodiert mit­ten in ein­er Gruppe moslemis­ch­er Frauen. 

M. Z. (ARABISCH

Die Moslems vertei­digten sich nur mit Steinen, sagt der alte Mann. Mein Neffe sah einen Sol­dat­en, der auf meine Schwest­er anlegte. Er rief noch: “Nicht schießen !” Aber der schoss ihr genau ins Gesicht, mehrere Kugeln. Vier oder fünf trafen ihn selb­st — ihren Sohn. Meine Schwest­er war gle­ich tot. Nach der offiziellen israelis­chen Ver­sion wer­den an diesem Mon­tag 17 Moslems erschossen und mehr als 100 ver­let­zt. Die Palästi­nenser zählen 22 Tote und 400 Ver­wun­dete..

An mehreren Orten der beset­zen Gebi­ete kommt es nach dem „schwarzen Mon­tag“ zu Massendemon­stra­tio­nen. Ara­bis­che Extrem­is­ten schlacht­en rund ein Dutzend Israelis ab.Die gerichtliche Unter­suchung des Mas­sak­ers bestätigt das ein­deutige Ver­sagen der Polizei und der einge­set­zten Gren­ztruppe. Den­noch wird nie jemand angeklagt. Jahre später über­weist der Staat den Hin­terbliebe­nen jew­eils 10 000 Schekel, 5000 Deutsche Mark.

ABENDSTIMMUNG IN DER ALTSTADT: POLIZEISIRENEN / DIE GLOCKEN DER EVANGE-LISCH-LUTHERISCHEN ERLÖSERKIRCHE / GERÄUSCHE EINES REISIGBESENS

Bib­lis­che Ruhe sinkt über das „Jüdis­che“ und das „Moslemis­che“ und das „Christliche Vier­tel“ der Alt­stadt. Zeit die Kerzen anzuzün­den. Zeit für das Abendge­bet. 

EINE FRAU SPRICHT DIE BRACHA, EIN MANN SINGT DEN ANFANG EINER KORANSURE INNERES EINER JERUSALEMER REFORM-SYNAGOGE: GEMEINDEGEBET UND GESANG 
DER GOTTESDIENST GEHT ZU ENDE / STIMMEN: „SHABBAT SHA-LOM !“ — „SHABBAT SHALOM !“ — „SHABBAT SHALOM !“

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