Nach dem Goldrausch

Boom und Elend in Ama­zonien — Ein Reise­führer für Uner­schrock­ene 

Wie, bitte, komme ich nach Cre­poriz­in­ho ?” — Die Frage wird wohl nie in einem Reise­büro gestellt wer­den. Cre­poriz­in­ho am Cre­porí — Ableger des Gold­gräber­städtchens Cre­porisão im brasil­ian­is­chen Bun­desstaat Pará — ste­ht auf kein­er Land­karte. Der Gol­drausch der 80er und 90er Jahre, der diese Ansamm­lung von Bret­ter­hüt­ten im Regen­wald entste­hen ließ, ist vorüber. 

Auch Itaitu­ba, die Haupt­stadt der Garimpeiros, der ama­zonis­chen Glück­srit­ter, ist nicht mehr, was sie noch vor kurzem war: das ver­heißene El Dora­do. Vor 25 Jahren nur ein großes Dorf, wuchs der Urwald­fleck­en über Nacht auf 110 000 Ein­wohn­er. Eine zeit­lang gab es hier nur zwei Prinzip­i­en: “Gold” und “Colt”. Nach dem Ein­bruch des inter­na­tionalen Edel­met­all-Han­dels schrumpfte die Stadt wieder auf 80 000 Men­schen, größ­ten­teils Ges­tran­dete. Denn die Män­ner (und in ihrem Gefolge die Heer­scharen von Pros­ti­tu­ierten), die sich aus den Megastädten des Südens und den nordöstlichen Halb­wüsten Brasiliens während der kurzen Boom-Jahre zu Hun­dert­tausenden nach Ama­zonien auf­macht­en, um reich zu wer­den, haben keine Zukun­ft — wed­er hier noch ander­swo. 

Der Autor Hel­mut Kopet­zky hat die ungewöhn­liche Tour unter­nom­men — an einen Ort, dessen Name wohl nie in einem Reise­büro genan­nt wer­den wird.