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Lang ist’s her, dass die Berichte des „rasenden Reporters“, reißerisch aufgemacht, in Buchform zu Bestellern wurden: „Wagnisse in aller Welt“, „Hetzjagd durch die Zeit“, „China geheim“, „Abenteuer in fünf Kontinenten“.
Die „Neugierde aufs Faktische“ (Kisch) wird heute aus vielen Quellen befriedigt. Um zu enthüllen, dass der angeblich nördlichste Punkt Europas ein Parkplatz ist, reist kein Reporter zum Nordkap. Das Sensationelle à la Kisch („Nichts Sensationelleres gibt es in der Welt als die Zeit, in der man lebt“), ist alltäglich geworden. Selbst die Fernseh-„Reporter der Windrose“ mit ihrem Vormann Peter von Zahn gehören ein Vierteljahrhundert später schon einer verblassenden Medienepoche an.
Andererseits: Der Glaube, mehr Bits und Bytes - mehr blanke Informationen - würden auch mehr Offenheit und Gerechtigkeit in die Welt bringen, ist längst ad absurdum geführt. „Niemals wurde in deutscher Sprache so viel gelogen“, schrieb Joseph Roth schon 1930. „Aber über jeder zweiten Lüge steht die Bezeichnung Photographie, vor der jeder Einwand verstummt“. Tatsachen lügen auch.
Die Kriegsbilder des Fernsehens, oft unter Lebensgefahr aufgenommen, sind authentisch und - austauschbar. Der Urheber verschwindet hinter seinem „Material“, kaum anders als die Kameramänner der NS-Propaganda-Kompanien des Zweiten Weltkriegs. Verwertungsprofis an weit entfernten Plätzen („in der Heimat“) wählen aus den Bildern, was medial am stärksten kommt. Auch vor den Suchmaschinen des World Wide Web sind alle „Informationen“ gleich. Nach Eingabe des Suchworts „Holocaust“, zum Beispiel, belegen die Websites der Ausschwitz-Leugner in der Liste der Suchergebnisse vordere Plätze.
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