durchrasen. Und obwohl dies mit unglaublicher Geschwindigkeit geschieht, verläuft dieser Identifizierungsprozess doch langsamer als das Erkennen und Erfassen von Bildern. Schon dieser Umstand erlaubt mir keine "montage rapide", keine Flut von Geräuschen analog zu Eisensteins Odessaer Treppe. Die organisierte Bilderflut des "Panzerkreuzer Potemkin", zum Beispiel, zwingt den Betrachter in die Filmhandlung hinein. Die Kunst des rapiden Schnitt-Wechsels erzeugt nicht Chaos sondern Kontinuität, Zusammenhang, nicht Überfütterung sondern emotionales Mitgehen.

Hören aber braucht Zeit. Das Auge liest ab - wie früher Moritatentafeln (wir haben unser Lesetempo nur gesteigert), das Ohr aber hört hin. Der angeschlossene Dechiffrier- und Denkapparat unseres Gehirns analysiert den akustischen Reiz - in Stromschwankungen umgewandelte Luftschwingungen -, produziert entsprechende Bilderinnerungen, setzt Reflexionen in Gang. Licht und Ton sind Schwingungen, Physik. Wir erst laden sie mit Inhalt und Bedeutung auf, jeder Mensch - und jeder anders.

"Der Wald im Radio", las ich irgendwo, "ist der Wald unserer Erinnerungen". Die Welt ist unsere Wahrnehmung von Welt, und alle Arten der Wahrnehmung - auch die akustischen sind immer subjektiv. Hören ist Erinnern und Vergleichen, ist Gedankenarbeit, Hinwendung, Aktivität. Es gibt im Akustischen kein Synonym für das Wort "glotzen".

"Die Anpassung an die bürgerlich rationale und schließlich hochindustrielle Ordnung, wie sie vom Auge geleistet wurde, indem es die Realität vorweg als eine von Dingen, im Grund als eine von Waren aufzufassen sich gewöhnte, ist vom Ohr nicht ebenso geleistet worden", konstatieren Theodor W. Adorno und Hanns Eisler in ihrem Buch "Komposition für den Film" (München 1969). Hören sei, verglichen mit dem Sehen, "anarchisch". Man könne sagen, "dass