Paradox: Das Wort "Feature" ist in aller Munde. Alle Programmsparten nehmen es für sich in Anspruch. Das hässliche Sprachderivat "verfeaturen" wurde zum Modebegriff. Aber nur wenige Fachkollegen / -kolleginnen können das Wort in die Praxis übersetzen. Kaum eine Handvoll investiert noch "blood, sweat and tears" in diese sehr komplexe Tätigkeit.

Das akustische Feature in seiner ursprünglichen Bedeutung (als perfekte Symbiose von "emanzipiertem", das heißt auf weiten Strecken für sich selbst sprechendem O-Ton und hineinkomponiertem Text) ist selten geworden, während konventionelle Text-Features mit "akustischer Untermalung" wieder breiten Raum einnehmen - ein Salto rückwärts in die Zeit vor P. L. Brauns "Hühner", "8 Uhr 15, OP III Hüftplastik", "Hyänen" und "Glocken in Europa". Und dies angesichts technischer Entwicklungen, von denen Braun & Co vor 25 Jahren vermutlich nicht einmal geträumt haben - man denke nur an die Brillanz digitaler Tonaufzeichnung und -verarbeitung.

So verliert das gehätschelte, kostspielige Sonntagskind des Radios allmählich an Kompetenz. Als kulturpolitisches Feigenblatt und Alibi für die Gebühreneinzugsberechtigung des öffentlich-rechtlichen Systems vorläufig noch geduldet, hält das Feature eine äußerst verwundbare Stellung.

Was also tun ?

Jede Gattung bezieht ihre Stärke aus großen Entwürfen. Der letzte "große Wurf" - die Erfindung des akustischen Features - liegt über ein Vierteljahr-hundert zurück. "Hühner" und "Hyänen" sind Geschichte. Das Feature der neunziger Jahre muss auf die Veränderungen der Welt und der Medien-Welt mit neuen Entwürfen antworten.