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Wir alle nehmen die Welt ja „montagehaft“ wahr. Nie als Ganzes.
Wir rekonstruieren sie für uns und andere aus einer Fülle subjektiver „Einstellungen“. Während ich dies in das Keyboard meines Computers hacke, montiere ich meine Gedankensplitter nach einem individuellen Bauplan. Jeder geschriebene Satz, jeder Gedanke entsteht durch Montage, ist Kombination - das wissen wir aus dem Computerlehrgang für Anfänger: Fast alles lässt sich auf Plus oder Minus, 0 oder 1 reduzieren. Worauf es ankommt, ist der Zusammenprall, der Konflikt zwischen zwei aufeinander stoßenden Elementen. Nur so entsteht „Inhalt“: „Als Montage bezeichnen wir die Anordnung von Teilen eines Filmstreifens, die in ihrer Wechselbeziehung einen bestimmten Gedanken des Regisseurs zum Ausdruck bringen“ (Viktor Sklovskij).
Der sowjetische Filmtheoretiker nennt „eine gute Zeitung, die in den verschiedenen Lokalmitteilungen, den Nachrichten, den Feuilletons, den Jubiläen und in den Mitteilungen über Todesfälle einen Tag der Menschheit festhält“, das Produkt gelungener Montage. Und der deutsche Feature-Pionier Peter von Zahn, um 1950 nach einem Beispiel für den damals noch ungewohnten Begriff „Feature“ gefragt, legte Bachs Matthäus-Passion auf den Plattenteller - Voilà: eine Montage aus dem dokumentarischen Bericht des Evangelisten, den Stimmen der biblischen Hauptakteure und eingeblendeten Arien und Chören, die das Geschehen kommentieren ! Ein Feature !
Hollywood, die zweite Kino-Großmacht, erfand die „continuity“. Mein Lexikon übersetzt den Begriff als „natürliche Folge, Zusammenhang,
Film-Drehbuch“ - und (siehe da !) auch als „Sende-Manuskript“. Durch continuity, könnten wir sagen, unterscheidet sich „Montage“ im Eisensteinschen Sinn (dynamisch-erzählend und argumentierend) von „Collage“ (bildhaft-statisch).
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