Als das Feature nach Deutschland kam, 1945, waren die Autoren besorgt, möglichst deutlich und unverkennbar im Radio hervorzutreten. Sie verstanden sich von Anfang an als öffentliche Personen. So hieß es denn auch: „Schnabel“ (oder Eggebrecht oder Peter von Zahn) „ist heute Abend im Radio !“ Gefragt war der Klang ihrer Stimmen, waren ihre ganz speziellen Eigenarten, vielleicht sogar die kleinen Fehler (wie das sympathische Lispeln eines Horst Krüger). Doch besonders war man neugierig auf ihre ANSICHTEN.

Nicht wenige Autoren sind gewohnt, sich und ihre Meinung hinter dem „Mann (der Frau) auf der Straße“, zu verstecken. „Ich halte mich zurück, ich bin ganz unwichtig“ - eine bequeme Selbstsuspendierung von unserer eigentlichen Aufgabe: Autor (lat. „Urheber“), zu sein. Deshalb ist das aus der bildenden Kunst entliehene, irreführende Wort „Collage“ so beliebt. Die Meinungen anderer „collagieren“, um die eigene nicht kundtun zu müssen. Bitte, nach Ihnen ! Aber Feature machen ist nichts für bequeme, ängstliche, meinungsscheue Naturen.

Die Annahme, eine akustische „Dokumentation“ im Verhältnis 1:1 (möglichst genau, möglichst „objektiv“, möglichst vollständig) sei schon die Wirklichkeit, ist ein verbreitetes Missverständnis. Wirklichkeit im Radio ist das, was wir von ihr mitteilen - wir, die einzelnen, die Subjekte mit Namen und Geburtsdatum. Wir - die AUTOREN ! Auch die „Wahrheit“, dieses Phantom, erscheint ja immer nur in subjektiver Verkleidung..

Wir bestimmen - den Aufnahmezeitpunkt, die Technik, den Gesprächs-verlauf und später, in welcher Reihenfolge und in welchem Tempo die Zuhörer über einen Gegenstand „ins Licht gesetzt“ werden. Unsere „Manipulation“ beginnt mit der Idee und dem ersten Einfall zu ihrer Umsetzung und endet erst mit der Sendung.