Auf diesen Amazonas-Schiffchen braucht man keine Reservierung. Ein paar Stunden vor der Abfahrt bringt man die Hängematte an Bord und sucht sich zwei Haken - das genügt.

Jetzt hängen wir Reisenden wie zwei Lagen Fledermäuse von der niedrigen Decke. Über uns baumeln Taschen, Tüten, Früchte, Vogelbauer. Jede dieser Hängematten führt ihr Binnenleben, ist Privatraum - manche lang und schmal und ruhig; andere sind ausgebeult wie Hosentaschen, kantig, eckig, immer in Bewegung.

Wenn die junge Mutter links nach Ihrem Kind schaut - das schon schlummert wie die Erbse in der Schote -, fängt die ganze Hängematten-Reihe an zu pendeln, und es knufft und pufft von allen Seiten.

Der Amazonas ist die einzige Fernstraße Amazoniens, die ganzjährig befahrbar bleibt, und nicht eine einzige Brücke überspannt ihn auf seinem endlosen Weg quer durch den amerikanischen Kontinent.

MÄDCHENSTIMMEN

Mein Ohr gewöhnt sich an den Lärm des Schiffsmotors. Durch die offene breite Luke sehe ich das ölschwitzende Dieselaggregat vibrieren.
Die Indiomutter in der Hängematte nebenan setzt ihrem Knaben schillernde Insekten auf den Bauch. Die lassen sich zerteilen, reglos - Flügel, Beine, Rüssel, Hinterleiber. Keine Fluchtbewegung.

Die Mädchen auf der anderen Seite wollen meinen Namen immer wieder hören, lachend weitersagen - und den eigenen buchstabieren: I-va-ne-te ... A-na-di-va ... Ju-li-a-na ... Ga-bri-e-la ...