Der Autor und das Mikrofon

Oder: Die Rück­kehr des Autors ins Fea­ture
Erschienen in CUT-Mag­a­zin(“Fea­ture-Work­shop”)

ANFRAGE: Ich arbeite an einem Fea­ture über süd­badis­che Geburt­stags-Riten der 50er Jahre und möchte Zeitzeu­gen befra­gen. Allerd­ings wider­strebt es mir außeror­dentlich, diesel­ben durch meine Tonauf­nah­men zu belästi­gen. Alles sollte so natür­lich wie möglich ablaufen. Bitte, rat­en Sie mir, wie ich die Auf­nah­meap­pa­ratur unauf­fäl­lig platzieren kann, ohne daß der Ton lei­det. 

RATSCHLAG: Vom The­ma ein­mal abge­se­hen … Am besten, Sie lassen die Tech­nik im Sender und benutzen weit­er ihren guten alten Stenoblock. Wer das Handw­erk nicht schätzt, sollte sich damit nicht quälen. Ach, wir alle möcht­en manch­mal unsere Aus­rüs­tung unsicht­bar machen — und uns selb­st dazu. Von wegen Diskre­tion, Scho­nung der Intim­sphäre. Aber in neun von zehn Fällen ver­suchen wir doch nur, unsere eigene Befan­gen­heit oder ein Gefühl der Inkom­pe­tenz auf den Men­schen, der uns beim Inter­view gegenüber sitzt, zu pro­jizieren.

Das Mikrophon, physikalisch betra­chtet, ver­langt Nähe zum Objekt. Je größer der Abstand, um so höher auch der Anteil der meist uner­wün­scht­en Nebengeräusche. Da sich Schall­wellen ger­adlin­ig fortpflanzen und Hin­dernisse (siehe die Schallschutz­mauern an Auto­bah­nen) ihre Wirk­samkeit deut­lich her­ab­set­zen, ver­bi­etet sich jede Cam­ou­flage: Das Mikro hin­ter aufgetürmten Zierkissen ist unsicht­bar — aber lei­der auch über­flüs­sig.

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